• 9.6.2010

Kazuo Ohne - Der Zarte

Ich habe ihn nie persönlich kennen gelernt. Aber die Bilder seines Tanzes haben mich tief bewegt, mich vor 14 Jahren dazu bewegt, selbst den Butoh tanzen zu lernen....

    Nachruf im Tagesspiegel vom 3.6.2010

      Die Butoh-Tanzlegende Kazuo Ohno ist tot. Als tanzender Greis in Frauenkleider vermochte er es wie kein anderer, Freude und Trauer zugleich auszudrücken.

        Für alle, die seinen Auftritt in „Admiring La Argentina“ 1989 in der Akademie der Künste miterlebten, war es eine Offenbarung. Zunächst aber bannte einen diese Erscheinung: Der Altmeister des Butohtanzes hatte sein Greisengesicht weiß geschminkt, er trug ein violettes Kleid mit Spitzen, dazu ein mit Stoffblumen dekoriertes Hütchen. Doch Kazuo Ohnos Hommage an die spanische Flamencotänzerin La Argentina war keine Travestie, sondern glich einer Metamorphose. Man konnte zusehen, wie die Erinnerungen seinen ausgezehrten Körper zu neuem Leben erweckten. Verwandlung, Verklärung und Vergänglichkeit – all das schwang mit in den so zarten wie grotesken Gesten des damals schon 83-Jährigen. Es war ein Tanz, der sich zwischen Sinnlichkeit und Spiritualität ausspannte, Ohno schien mit den Toten zu kommunizieren; und verkörperte so die zwiespältige Natur des japanischen Butoh. Der „Tanz der Dunkelheit“ betrachtet das Leben aus der Perspektive des Todes. Wild, düster, schmerzhaft. Doch Ohno rang diesem menschlichen Drama auch immer wieder ein wildes Lachen ab.

          Geboren 1906 in Hakodate war Ohno zunächst Sportlehrer und bereits über 40 Jahre alt, als er zum Tanz fand. Eine Begegnung mit dem deutschen Tänzer Harald Kreutzberg, einem Schüler Mary Wigmans, wurde zur Inititalzündung. Anfänglich tanzte Ohno in der Compagnie von Tatsumi Hijikata, dem Vater des Ankoku Butoh. Doch erst der versponnene Ohno verhalf dem japanischen Tanz in Europa und den USA zu Popularität.

            Als tanzender Greis in Frauenkleidern wurde Ohno zum Mythos. Keiner konnte wie er Freude und Trauer zugleich ausdrücken. Er war das heilige Monster, der melancholische Clown, die irrlichternde Hexe. 2004 trat Ohno letztmalig in Berlin auf, im Haus der Kulturen der Welt. Ein Exzentriker in schwarzem Anzug, weiß gepudert das Gesicht, eine Rose in der Hand. Ohno, entrückt und verzückt. Immer schien er sich mit einem Fuß in anderen Sphären zu bewegen. Seine Seele wird immer weitertanzen, davon war Kazuo Ohno überzeugt. Am Dienstag ist er im Alter von 103 Jahren in Yokohama gestorben.

            Sandra Luzina

  • 25.5.2010

Ganz ehrlich: mein erster 3 D Film

Vor etwa einem Monat habe ich meinen ersten 3 D Film gesehen - ja, ich sage es ehrlich, es hat gedauert...! Es war auch nicht Avatar, es war Alice im Wunderland, eine meiner Lieblingsgeschichten, so herrlich verrückt, skurril, liebevoll und phantasievoll. Für mich waren die 3 D Bilder allerdings in erster Linie sehr anstrengend zu verfolgen. Ebenso ging es meiner Begleiterin, die ebenfalls die 40 gerade überschritten hat. Beim Vorspann schreckten wir bei jedem Filmschnitt zurück und kreischten auf wie die Teenies, wenn die Ketchup Flaschen auf uns zu kamen. Mein Kopf brummte bereits nach Minuten. Dieser Kopfdruck hörte erst nach ca. einer Stunde wieder auf. Nach dem Film fühleten wir uns wie ferngesteuert, das Fokussieren war sehr anstrengend, als wenn das Gehirn sich wieder umpolen müßte. Beim Film selber entstand bei mir ein widersprüchlicher Eindruck: einerseits wird man ins Bild "gezoomt", andererseits war es für mich, als werden die Bilder und Phantasien, die mein eigerner Kopf beim Sehen produziert und assoziiert quasi aus meinem Kopf gezogen. Es wird uns etwas gegeben mit den 3 D Bildern - ihre 3 Dimensionalität - aber es wird uns auch etwas genommen: unsere eigenen Bilder. Ausgleichende Gerechtigkeit des hochtechnisierten Kinos? Oder liegt es am Alter? Ich fragte meine Schüler der Theater Gruppen, ob sie eine Veränderung festgestellt haben beim Sehen dieser Filme. "Nö, normal!"....

  • 23.10.2009

Mein Nacken findet bloggen gar nicht inspirierend. Seit einer Stunde fleht er mich an: steh auf, geh in die Badewanne, massier` mich! Allmählich tut er mir leid und ich füge mich - ein bisschen ungehalten - er könnte mich mehr unterstützen bei meinen Stillsitzprojekten oder? Tut er nicht - gute Nacht!